Andrea Hensel

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Interview

Woher nehmen sie immer wieder die Motivation für ihre Arbeit?

"Durch die vielen unterschiedlichen Menschen, mit denen ich zu tun habe. Jeder Kunde kommt mit einem Wunsch, einer Sehnsucht zu mir. Einigen wenigen geht es dabei nur um ein Kostüm, mit dem sie sich zu einem bestimmten Anlass verkleiden wollen. Die meisten jedoch wollen in eine Rolle schlüpfen, für eine kurze Zeit andere Charaktere darstellen, ihrer eigenen Gegenwart entfliehen und sich in andere Zeiten versetzt fühlen."

Gelingt das denn immer?

"Manche Menschen sehen in ihrem Kostüm einfach nur verkleidet aus. Sie tragen Armbanduhren, bunte Brillen, Nagellack oder Modeschmuck. Andere wollen keine Kopfbedeckung tragen und zeigen sich mit ihrer Trendfrisur. All das zerstört sofort jegliche Illusion vom Mittelalter. Das Gelingen hängt also stark von der Bereitschaft des Kunden zur Authentizität ab. Andere wiederum wirken, als seien sie jener Zeit geradezu entsprungen. Das Kostüm wird ihnen zur zweiten Haut. Diese Verwandlung ist es, die mich immer wieder aufs Neue fasziniert. Ich lerne bei meinen Beratungsgesprächen zum Beispiel einen Bankkaufmann, eine Lehrerin, einen Stuckateur, eine Hausfrau, einen Architekten, eine Rechtsanwältin, usw. kennen. Begeisternd ist es, wie sie durch meine Kostüme zu leibeigenen Bauern, Ratsherren, Patrizierinnen, Mönchen, Henkern, Marketenderinnen, usw. werden.

Ist es nicht schwierig, die Wünsche solch unterschiedlicher Kunden zufrieden zu stellen?

"Manchmal wird schon ein großes Maß an psychologischem Gespür von mir gefordert, an Feingefühl, Überredungskunst, Geduld und Überzeugungskraft. Zum Beispiel muss ich immer wieder gegen als zu breit empfundene Hüften kämpfen, versichern, dass die Brust nicht zu klein oder zu groß für dieses oder jenes Kostüm ist. Manchen Mut zusprechen, damit sie es wagen, etwas mehr Dekollete zu zeigen. Die Männer sorgen sich eher um zu schmale Schultern, einen dicken Bauch oder krumme Beine. Andere Kunden kommen mit Farbwünschen, die nicht ihrem Typ entsprechen oder nicht in die damalige Zeit passen. In solchen Fällen sind höchst diplomatisches Fingerspitzengefühl und spezifisches Fachwissen gefragt. Wenn es mir dann gelingt, die Zögernden, Unsicheren doch zu überzeugen und auch den Kunden mit der sogenannten "Problemfigur" ein Gewand auf den Leib zu schneidern, mit dem sie sich identifizieren können und in dem sie sich wohlfühlen, dann empfinde ich meine Arbeit als zutiefst befriedigend."

Also eigentlich ein Traumberuf?

"Durchaus - auch wenn er oft falsch gesehen wird. Man braucht für diese Arbeit Kreativität, Optimismus, viel Energie, psychologisches Gespür, Intuition und einen ausgeprägten Schönheitssinn. Mein Beruf besteht nicht nur aus Schwelgen in edlen Stoffen, prächtigen Farben, wertvollen Borten, Knöpfen, usw. Hinter all dieser Pracht verbirgt sich immer harte, pünktliche und präzise Arbeit. Meine Kreationen sollen schließlich von Können und Qualität zeugen. Unerlässliche Grundlagen dafür sind das Handwerk, das Wissen und die Erfahrung. Für mich ist es einfach wundervoll, etwas zu kreieren, nach Stoffen zu suchen, einen Schnitt zu entwickeln, Formen zu finden. Einem kreativen Gedanken, der meinem Kopf entsprungen ist, Leben einzuhauchen."

Andrea Hensel
 
   

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